Wer sich zum ersten mal eine Hütte auf Rädern kaufen will steht schon mal vor der grossen Frage, ob es denn ein Wohnmobil oder ein Wohnwagen sein soll. Foren sind normalerweise eine hilfreiche Informationsquelle, aber die Frage Wohnwagen oder Wohnmobil scheint etwa soviel Konfliktpotential zu beherbergen wie die Fragen Apple oder Android, Windows oder Linux, Aargau oder Zürich.
Wer was zum Lesen will, darf die Google Suche mit Begriffen wie «Caravan vs. Wohnmobil» oder «Vorteile Nachteile Wohnwagen Wohnmobil» füttern. Lesespass ist garantiert.
Da wird mit einer Vehemenz für die «eigene» Campingform gekämpft, dass ich mir schon allabendliche Farbbeutelschlachten zwischen verfeindeten Wohnwagen- und Wohnmobilbesitzern ausgemalt habe. Auf dem Campingplatz stellt man fest, dass sich dieser angebliche Kleinkrieg zwischen Wohnwagen- und Wohnmobilbesitzern im realen Leben nicht wiederfindet. Fast alles nette Leute und die wenigen Rindviecher sind gleichmässig auf alle Campingformen verteilt.
Für uns war die Entscheidung einfach, weil wir sehr gerne und oft (und nicht zwingend gut) Golf spielen. Ein guter Campingtag heisst bei uns: recht früh aufstehen, futtern und ab auf den Golfplatz. Am frühen Nachmittag zurück unter die Markise und die Wampe in die Sonne strecken. Abends was leckeres vom Grill oder von der lokalen Gastronomie.
Dazu ist es praktisch wenn man nicht jedes mal das komplette Campinggerümpel einräumen muss um zum Golfplatz fahren zu können.
Viele der oft genannten Vor- und Nachteile verlagern sich auch je nach gekauftem Gerät. Wohnwagen gibt es zwischen rund 4.5 und 10 Metern Gesamtlänge (mit Deichsel) sowie ca. 2 bis 2.50 Metern Breite. Wohnmobile reichen vom ausgebauten VW Bus bis zum Luxusliner auf Bus oder LKW Fahrgestell. Preislich ist der Wohnwagen massiv im Vorteil, aber andererseits ist ein Zelt noch günstiger. Und billig ist Campen schon lange nicht mehr.
Dann gäbe es noch weitere Campingformen wie das erwähnte Zelt, ein Zeltklappanhänger, ein Dachzelt fürs Auto oder einfache Schlafausbauten von doppelt genutzten Fahrzeugen (Caddy, Berlingo, Touran usw.).
Wer selbst noch vor der Frage steht, was denn nun ins Haus kommt und keine Erfahrung hat, sollte die Variante «Miete» ins Auge fassen und ein wenig ausprobieren. Das kostet zwar erst mal Geld für Miete sowie für die ggf. anzubauende Anhängerkupplung. Verglichen mit dem potentiellen Wertverlust eines schnell abgestossenen Neukaufs sind das jedoch Peanuts.
Aber listen wir mal ein paar Vor- und Nachteile auf. Die Liste ist natürlich subjektiv gefärbt und nicht vollständig.
Nicht vergessen:
«Campen ist die Urlaubsform bei der man mit beliebig viel Geld denselben Komfort wie zu Hause zu erreichen versucht und kläglich versagt.»
Vorteile eines Wohnwagens:
- Massiv günstiger in der Anschaffung und im Unterhalt. Der Zugwagen dient normalerweise auch als ganzjährig genutztes Auto. Der Wohnwagen überlebt meist mehrere Zugfahrzeuge.
- Höhere PASSIVE Sicherheit. Im Falle eines Unfalls sitzt man wie gewohnt in seiner mit 10 Airbags und NCAP 5-Sternerating ausgestatteten Blechdose. Wohnmobile werden keinen Crashtests unterzogen. Der Aufbau ist eine bessere Pappschachtel die sich bei einem ernsthaften Crash gerne komplett zerlegt. Der Wohnwagen hat das Problem auch, aber da sitzt man ja nicht drin. Kastenwagen sind hiervon mal ausgenommen. Deren Sicherheit ist so gut wie die auch crashgetestete Basis.
- Besserer Fahrkomfort: Man sitzt ja in seiner voll ausgestatteten normalen Fahrdose. Unter den meisten Wohnmobilen verbirgt sich ein Fiat Ducato Fahrgestell. Klappernde Möbelaufbauten können gewaltig nerven. Sie klappern natürlich auch im Wohnwagen, aber man hört sie im Auto nicht.
- Man hat immer ein Auto dabei. Wohnmobilfahrer müssen für jede Autofahrt alles zusammenpacken und ihr Schiff mit in die Innenstadt nehmen.
Vorteile eines Wohnmobils
- Man ist schneller fahrbereit. Kein Ankuppeln, kein Stützen einkurbeln. Auch wenn man mit geeigneter Ausrüstung (Markise statt Vorzelt, Mover, Akkuschrauber oder Elektrostützen) auch beim Wohnwagen schnell unterwegs sein kann, hat man keine Chance gegen einmal Schlüssel umdrehen bei einem Wohnmobil.
- Benötigt man einen Anhänger für Spielzeug? Z.B. ein Motorrad, Boot oder ähnliches. Da führt kein Weg am Wohnmobil vorbei. Die Anhängerkupplung des Wohnwagenfahrers ist bereits belegt.
- Höhere AKTIVE Sicherheit. Ein Wohnmobil pendelt nicht auf wie ein Wohnwagen und lässt sich in schwierigen Situationen (z.B. Notbremsung mit Ausweichmanöver) einfacher handhaben als ein Gespann.
- Man fährt in der Wohnung. Wir haben das bei unseren Mietwohnmobilen auch bemerkt. In der Pause auf der Autobahnraststätte latscht man kurz nach hinten und kocht ein Käffchen. Theoretisch sind die fünf Meter Weg nach hinten zur Türe des Wohnwagens auch nicht die Welt. Aber das Gefühl der eigenen Höhle ist beim Wohnmobil irgendwie besser. Schwierig zu erklären, aber es ist da.
- Man kann Stellplätze benutzen, die Wohnwagen normalerweise verschlossen sind. Das spart nach dem Kauf viel Geld, sofern man Stellplätze mag. Stellplätze bieten ausserdem den Vorteil dass man jederzeit ankommen und abfahren kann. Campingplätze sind abends und über Mittag meist geschlossen (Nacht-/Mittagsruhe). Das bringt Flexibilität bei der Reise.
Man kann es drehen und wenden wie man will. Jede Campingentscheidung ist ein Kompromiss aus Geld, Grösse, Wendigkeit und vielem mehr. Die eigenen Präferenzen sollte jeder selbst ausprobieren.
